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Kompetenz und Fokussierung = Innovation

Unternehmerisches Handeln aus unterschiedlichen Sichtweisen

Als eine gelungene Veranstaltung bezeichnete Professor Dr. Rolf Weiber in seinem Schlusswort das diesjährige VI. Unternehmerforum Wittlich. Der neue Vorstand des Inmit glaubt, nach zwei Tagen und fünf Fachvorträgen eine Antwort auf das Motto des Wittlicher Unternehmerforums zu haben: „Zuerst Ziele erkennen und festlegen, vom Ziel begeistert sein und fokussiert vorgehen“. Professor Dr. Hermann Simon, der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Stadt Wittlich, sprach in seinen Schlussworten die extreme Ungewissheit an, die zurzeit herrscht. Aber auch vor der „zweiten Krise“ stehe Deutschland besser da, als die meisten Staaten. So könne man trotz der in der Welt zu erwartenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten optimistisch nach Hause gehen.

Den Auftakt-Vortrag „Global Player mit festen Wurzeln – Die nachhaltige Wachstumsstrategie der adidas AG“ hielt Herbert Hainer, der Vorsitzende des Vorstandes der adidas AG. Der „Manager des Jahres 2010“ stellte sein Unternehmen und dessen Erfolge vor. Das 1949 von Adi Dassler in Herzogenaurach gegründete Unternehmen sei heute international aufgestellt und das globalste Unternehmen in Deutschland. Die größten Umsätze würden in den USA erzielt, Wachstumsmärkte seien China und Russland. Die Bedeutung von Innovationen für das Unternehmen komme in der Firmenvorgabe zum Ausdruck, jährlich mindestens eine Weltneuheit auf den Markt zu bringen. Wichtig sei eine nachhaltige Wachstumsstrategie: So habe sich der Umsatz in den Jahren 2001 bis 2010 verdoppelt und der Gewinn verdreifacht. Mit der „Route 2015“, dem strategischen Geschäftsplan von Adidas, soll diese Erfolgsbilanz fortgesetzt werden. Nach Hainer ist Wachstum unerlässlich, um im Wettbewerb bestehen zu können. Nur „Qualitatives Wachstum“ bringe aber dauerhaften Erfolg. Ausschlaggebend seien Wettbewerbsvorteile, nicht Preisvorteile. Eckpfeiler des unternehmerischen Erfolges seien laut Herbert Hainer die Arbeitsbedingungen, der Umweltschutz, die Gemeinschaftsprojekte und die eigenen Mitarbeiter. Adidas beschäftigt weltweit 46.000 Menschen. Ein Top-Unternehmen braucht die besten Mitarbeiter. Um diese zu bekommen und zu halten, muss das Arbeitsumfeld stimmen, deshalb habe sich Adidas zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Europa entwickelt. Der Hauptsitz des Unternehmens ist immer noch im bayerischen Herzogenaurach. 

Am Freitagnachmittag zeigte Professor Dr. Hans Eberspächer, was Voraussetzung für sportlichen und unternehmerischen Erfolg ist. Für ihn beginnt der „Erfolg im Kopf“ und entscheidend ist, dass man „Gut ist, wenn’s drauf ankommt“. Die entscheidende Frage ist, wie man sich so organisieren kann, dass man in schwierigen Situationen gut ist. Nicht das Verhalten in Routinesituationen sei entscheidend, sondern der Umgang mit besonderen Situationen. „Wenn man aus der Routine gekippt wird, geht es im Kopf“ los, so Eberspächer. Dann werde zuviel über Konsequenzen nachgedacht, die Kompetenz als Anker der eigenen Leistung trete dann plötzlich in den Hintergrund. Jede Herausforderung lebt davon, dass man sich auf seine Kompetenz besinnt. Entscheidend sei immer der nächste Schritt. „Sei da, wo dein Körper handelt“ – hiermit leitete Eberspächer auf den Aspekt der Fokussierung über. Gemeint ist hiermit, dass man sich mit dem beschäftigen muss, was gerade stattfindet. Dass die Konzentration auf einzelne Schritte eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Handeln ist, kommt auch in der Aussage „Genuss und Lust leben vom Augenblick“ zum Ausdruck. Hiermit sei belegt, dass dieses Prinzip auch in der Freizeit gelten sollte. Nach Professor Eberspächer macht nur der Augenblickbezug das Leben lebenswert.

Der Sozialwissenschaftler und Philosoph Dr. Bernhard von Mutius wählte am Samstagvormittag einen anderen Ansatz. In seinem Vortrag „Innovation und Führung: den Kreis des Gewohnten verlassen“ stellte er das Scheitern in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Das Scheitern von neuen Entwicklungen sei eine Selbstverständlichkeit und komme täglich vor, so von Mutius. Woran liegt dies? Was haben Innovationen und Krisen gemeinsam? Beides seien Brüche, der Kreis des Gewohnten werde verlassen, das habe der Mensch nicht gerne. Es sei aber wichtig, sich nicht vom „Chaos“ überraschen zu lassen. Der Mensch müsse vielmehr an den Widerständen, die sich ihm entgegenstellen, wachsen. Die Welt sei im hohen Maße von Ereignissen bestimmt, mit denen  niemand rechnen konnte. Auch bei Innovationen wisse man selten, was letztlich dabei herauskommt. Nach von Mutius sei das Scheitern eine Ressource, mit der man richtig umgehen muss.

Von Mutius stellte die Bedeutung des menschlichen Gehirns und dessen Fähigkeiten heraus. Die enorme Leistungsfähigkeit des Gehirns habe seine Ursache in der Vernetzung. Diese „Zukunftsressource in unseren Köpfen“ gelte es zu entwickeln, was am besten über frühzeitige Investitionen in Bildung geschehe. Auch gelte es, Wissen mit anderen zu teilen, weil Neues nur an den Grenzen entstehe. Gerade bei der Entwicklung neuer Techniken müsse grenzübergreifend agiert werden, produktives Teilen führe zum Erfolg.

Neben den genannten Referenten gab es Vorträge von Andreas Land, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Griesson – de Beukelaer GmbH und von Werner Kieser, dem Gründer und Unternehmer der Kieser Training AG. Ein Unternehmerinterview mit Dr. Jörg Haas, durchgeführt von Alexander Houben, und ein von Heribert Waschbüsch moderiertes Gespräch mit dem Diplom-Psychologen Dr. Niels Bergemann und Dr. Albert Hieronimus (ehem. Bosch Rexroth AG) lockerten die Veranstaltung auf. Das Unternehmerforum mit dem Motto „Heute für Morgen handeln – Erfolgsfaktoren für neues Wachstum“ fand am 16. und 17. September in der Synagoge statt. Veranstalter waren das Inmit (Institut für Mittelstandökonomie an der Universität Trier), die Stiftung Stadt Wittlich und die Universität Trier. Die Wittlicher Unternehmertage finden seit 1996 im dreijährigen Rhythmus statt. Die nächste Veranstaltung ist für 2014 geplant. /uj

 


Herbert Hainer (Mitte) wurde ein besonderer „Ball“ überreicht: eine Kugel aus Holz, welche die Nachhaltigkeit symbolisiert. Nach dem Vortrag bedanken sich Bürgermeister Joachim Rodenkirch (links) und Dr. Hans Friderichs, der Ehrenvorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Stadt Wittlich (rechts, Foto: Inmit). 

 

Bernhard von Mutius stellte das Scheitern als eine Ressource vor, mit der man lernen muss, umzugehen und zauberte Gegenstände aus seinen „Black Boxes“ (im Vordergrund; Foto: Inmit).

 



Aufmerksame Zuhörer beim Unternehmerform in der Wittlicher Synagoge (Foto: Inmit).